Tiergesundheit und Antibiotika im Broilerstall

Wie werden Masthähnchen in Deutschland gehalten? Wie sehen Hygiene-Management, Krankheits-Prophylaxe und Bestandsbetreuung aus und welche Krankheiten können Broiler überhaupt bekommen? Auf diese und weitere Fragen geht der Fachtierarzt Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump im ersten Teil eines ausführlichen Interviews ein. Er erklärt, wann und wie in seiner Praxis Antibiogramme erstellt werden, verrät wie oft ein Hähnchenmäster eigentlich Besuch von Tierärzten bekommt und einiges mehr.

Reserve-Antibiotika ohne Alternative
Wann welche “Reserve-Antibiotika” in der Hähnchenmast eingesetzt werden und warum dies geschieht, schildert der Fachtierarzt für Geflügel im zweiten Teil des Gespächs. Dabei spielen Polymyxine (Colistin) und weitere antibiotische Wirkstoffe, die von der WHO als “critically important” eingestuft werden, eine wichtige Rolle. Es geht um Nahrungsmittelsicherheit für den Verbraucher und um “Wartezeiten” für Fleisch und Eier.

Colistin hat etwa bei Eiern eine Wartezeit von Null und bei Fleisch von zwei Tagen. Eier und Fleisch von behandelten Tieren können also schon kurz nach Beendigung der antibiotischen Therapie wieder in Verkehr gebracht werden. Bricht eine Krankheit im Hühnerstall z. B. wenige Tage vor dem Schlachttermin aus, können nur noch Mittel eingesetzt werden, deren Wartezeit vor dem geplanten Ausstall-Termin endet. Und in diesem Sinn ist Colistin – auch im Hähnchenstall – ein „Reserve-Antibiotikum“.

Was hingegen droht, wenn dem Tierarzt durch Verbote die Alternativen ausgehen, schildert Andreas Wilms am Beispiel der Histomoniasis bei Puten. Zur Behandlung der „Schwarzkopfkrankheit“ ist in Deutschland nämlich kein antibiotischer Wirkstoff zugelassen. Deswegen kostet es erkrankte Puten das Leben, wenn ein erkrankter Bestand auf Anweisung des Amtstierarztes gekeult wird und unter Umständen kostet es den Putenhalter die Existenz.

Antibiotika-Verbrauch im Hähnchenstall
Auch zum Antibiotika-Monitoring, dem bisher erreichten Grad der Reduktion und Alternativen zum Antibiotika-Einsatz bezieht Andreas Wilms Stellung.

Der Geflügelspezialist schätzt, dass sich die Verbrauchsmengen beim Hähnchen, nach der Halbierung seit 2011, nicht weiter verringern lassen. Geringer Medikamenteneinsatz sei ja auch kein sicheres Zeichen guter Tierhaltung, sagt er, manchmal träfe gar das Gegenteil zu. In viehdichten Gebieten sei allein der Keimdruck naturgemäß höher und damit verbunden der Medikamenteneinsatz.

Wichtig sind für den Fachtierarzt ein guter Impfschutz gegen Viren und starke Abwehrkräfte gegen Keime. Dann kämen im Krankheitsfall viel häufiger ätherische Öle und Vitamine zum Einsatz, als etwa Antibiotika. „Wer in unsere Autos schaut, findet dort viel mehr pflanzliche Aromen als Antibiotika“, sagt der Geflügel-Spezialist.

Hier das vollständige Interview in drei Teilen:

Hinterlassen Sie gern einen Kommentar.

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar!

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: