Euterinjektoren richtig eingeben

Von Dr. Joachim Lübbo Kleen, Dip. ECBHM, Fachtierarzt für Rinder

Mit einer „Tube“, also einem Euterinjektor, werden Arzneimittel durch den Strichkanal direkt in ein zu behandelndes Euterviertel gebracht. Die meisten Milchviehhalter wenden diese Tuben nach Verordnung durch den Tierarzt selbst regelmäßig an.

Am häufigsten verbreitet sind sicherlich Euterinjektoren mit einem antibiotischen Wirkstoff, entweder zur Behandlung einer Euterentzündung in der Laktation (Laktationsantibiotika) oder zum Trockenstellen („Trockensteller“). Daneben gibt es auch noch Zitzenversiegler. Diese blockieren den Strichkanal zum Trockenstellen mechanisch, wozu das Präparat nicht in das Euterviertel, sondern nur bis in den Strichkanal selbst verbracht wird. Auch wenn die Anwendung der Injektoren häufig durchgeführt wird und weit verbreitet ist: Das Einbringen eines Euterinjektors in den Strich eines Viertels verlangt gute Vorbereitung, denn es stellt letztlich einen medizinischen Eingriff dar. Dies darf in Hinblick auf mögliche Gefahren nicht unterschätzt werden.

Es soll an dieser Stelle nicht darüber diskutiert werden, ob jede Mastitis eine antibiotische Behandlung braucht – allerdings sollte vor einer Behandlung darüber nachgedacht werden, ob diese nötig und sinnvoll ist. Die nötige tierärztliche Verordnung sollte zum Anlass genommen werden, über die Erregerlage und eine betriebsindividuelle Strategie in der Behandlung zu sprechen. Eine unterschiedslose Behandlung ohne Kenntnis der Erregerlage entspricht sicherlich nicht den Anforderungen, die heute an die Behandlung von Nutztieren gestellt werden.

Mit der richtigen Lagerung fängt es an
Häufig werden Euterinjektoren dort gelagert, wo sie üblicherweise gebraucht werden: Direkt im Melkstand. So praktisch und zeitsparend dies auch sein mag: Arzneimittel dürfen nicht einfach im Stall gelagert werden, auch nicht im Melkstand. Neben den gesetzlichen Anforderungen an die Lagerung von Medikamenten muss berücksichtigt werden, dass wechselnde Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit den Wirkstoffen schaden können. Außerdem herrscht im Stall und in der Melkergrube ein hoher Keimdruck. Dadurch können die Injektoren selbst verschmutzt werden. So bakteriell kontaminierte Euterinjektoren dann am, bzw. im Tier einzusetzen, verbietet sich von selbst. Auch für Euterinjektoren gilt: Für die Lagerung von Arzneimitteln kommt nur eine separate Stallapotheke in Frage, und nur dort werden die Präparate richtig und kontrolliert aufbewahrt. Außerdem: Auch wenn man sich so Wege und Aufwand sparen mag, eine Behandlung „zwischendurch“, also während der Melkzeit, sollte vermieden werden. Das Einbringen des Euterinjektors erfolgt stattdessen idealerweise in ruhiger und hygienischer Umgebung, also nach dem Melken. Bei der Anwendung darf ein Euterinjektor nicht zu kalt sein, um eine gute Fließeigenschaft des Arzneimittels zu erreichen, und um es so leicht herausdrücken zu können. Außerdem können kalte Injektoren beim zu behandelnden Tier einen schmerzhaften Kältereiz im Euter auslösen. Etwa 20 Grad Celsius sind vor der Behandlung ideal, was in der kalten Jahreszeit ein Anwärmen nötig machen kann. Keinesfalls sollte dies aber in einem warmen Wasserbad erfolgen, denn häufig werden hierbei schnell zu hohe Temperaturen erreicht, die das Arzneimittel beschädigen. Zudem ist das Wärmebad eine gute Vermehrungs- und Verteilstation für Bakterien, womit jede andere Hygienemaßnahme sinnlos wird. Bei den eher zäh fließenden Zitzenversieglern hat sich in der Praxis bewährt, diese einige Stunden vor der Anwendung aufrecht, mit der Spitze nach unten, bei Raumtemperatur aufzubewahren. Der Tubeninhalt sammelt sich so direkt vor der Injektorenspitze und kann ohne Luftblasen in das Euter eingebracht werden.

Hygiene beachten, Bakterien lauern überall
Ist die zu behandelnde Kuh ausgemolken und eine gute Umgebung für die Behandlung ist gegeben …


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