Folgen des Verzichts auf Schnabelkürzen bei Legehennen – Tierschutztagung (5)

Bericht von der TiHo-Tierschutztagung 2018 (5)

Prof. Dr. Robby Andersson (Hochschule Osnabrück) beleuchtete die bisherigen Erfahrungen in der Haltung von Legehennen mit intakten Schnäbeln.

In der Regel sei die Mortalität doppelt so hoch, wie früher – aber nicht in jedem Stall und nicht bei allen Haltern. Für die verschiedenen Haltungsformen, Systeme und Herdengrößen seien derzeit keine eindeutigen Einflüsse nachweisbar. Ebenso wenig für die Genetik in Bezug auf Federpicken und Kannibalismus.

Der Aufwand steige erheblich, sagte der Wissenschaftler, vor allem sei mehr Zeit im Stall und damit mehr qualifiziertes Personal erforderlich (und das ist ein Problem). Es brauche ein Frühwarnsystem, das Wissen um die Risikofaktoren und die geeigneten Gegen-maßnahmen (Futter, Wasser, Stallklima, Licht). In dunklen Ecken lägen z. B. mehr Bodeneier und dies habe vermehren Kloaken-Kannibalismus zur Folge. Erfahrene Betriebe erreichten aber mittlerweile die gleichen Ergebnisse, wie mit schnabelbehandelten Hennen, sagte Andersson.

Die Anforderungen an die Futterqualität wären gestiegen, ebenso der Futterbrauch. Das Futterangebot müsse um ca. 5% höher liegen, weil die Futterselektion mit ungekürzten Schnäbeln höher ist (Schnabelsensibilität). Ein anderes Futtermanagement sei nötig, ebenso wie eine gute Nährstoffversorgung (im Hinblick auf die diesjährige Ernte müsse man sich hierüber allerdings Sorgen machen).

Die Haltungsbedingungen müssten optimiert werden, insbesondere die Temperaturführung (Kühlung), die Einstreuqualität sei wichtig und der Lichteinsatz ändere sich – es wird dunkler im Stall.

Mit dem Verzicht auf Schnabelkürzen steigen die Kosten, bisher aber nicht die Erlöse. Beim Futter lägen die Kosten um € 5-6/dt über denen des Vorjahres, die Personalkosten stiegen und – bei geringeren Erträgen –  fiele schließlich auch weniger Mist an, der verrechnet werden könnte.

Erfolg könnten Landwirte nur haben, wenn die Mehrkosten durch den Verzicht auf Schna-belkürzung am Markt ausgeglichen würden. Der Professor beziffert sie auf 1-3 Ct. je Ei.

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